Gabriele Münter

Gabriele Münter

Pseudonym: -

Geburtsdaten

Geburtsdatum: 1877

Geburtsort: Berlin

Sterbedaten

Sterbedatum: 1962

Sterbeort: Murnau/Oberbayern

Biographie

Die 1877 in Berlin als Tochter eines wohlhabenden Zahnarztes geborene Gabriele Münter zeigte schon früh eine zeichnerische Begabung und begann, privaten Zeichenunterricht zu nehmen. Der Zugang zu den staatlichen Kunstakademien war Frauen zu dieser Zeit noch verwehrt. Als im Jahr 1897 nach dem Vater auch noch ihre Mutter verstarb verließ sie die Zeichenschule, um, abgesichert durch die Mittel, die sie von den Eltern geerbt hatte, ab 1898 gemeinsam mit ihrer Schwester in die USA zu reisen, wo sie Verwandte mütterlicherseits besuchten. Diese insgesamt zwei Jahre dauernde Reise dokumentierte Münter mit zahlreichen Fotographien und Skizzenbüchern, in denen sie Pflanzen- und Landschaftsstudien sammelte. Nach der Rückkehr nach Deutschland ließ sich die Künstlerin 1902 in München nieder, wo sie in eine von Wassily Kandinsky neu gegründete private Malschule eintrat. Über die Jahre entwickelte sich zwischen Lehrer und Schülerin eine Liebesbeziehung, die sich auch auf das künstlerische Schaffen von Gabriele Münter auswirken sollte. Das Jahr 1908 markiert Gabriele Münters Durchbruch zu ihrem eigenen Stil. Die Künstlerin hatte zuvor zusammen mit ihrem neuen Lebensgefährten Wassily Kandinsky vom Mai 1906 bis zum Juni 1907 in Sèvres bei Paris gelebt. In dieser Zeit adaptieren beide den kleinteiligen pointilistischen Malstil der Spätimpressionisten. Im Anschluss an ihren Frankreich-Aufenthalt entscheiden sich die Künstler, sich in München und Umgebung niederzulassen und entdecken Mitte August des Jahres bei einem Ausflug den Marktflecken Murnau am Staffelsee. Die Landschaft inspiriert sowohl Münter als auch Kandinsky, beide gelangen zu einer spontanen Pinselmalerei von expressiver Farbigkeit. Viele von Münters Arbeiten entstehen in dieser Zeit zwar spontan und alla prima, jedoch existieren auch Vorstudien und Skizzen, in denen sie die Flächen mit Angaben für die spätere Farbigkeit versieht. Münter versucht so, einen möglichst hohen Abstraktionsgrad der Landschaft zu erreichen. Dies ist auch das dezidierte Ziel der 1909 von Münter und Kandinsky mit initiierten "Neuen Künstlervereinigung München" (NKVM), die sich bereits 1911 wieder auflöst und im Dezember zur Gründung des "Blauen Reiters" durch Wassily Kandinsky und Franz Marc führt. Während des Ersten Weltkriegs flohen Münter und Kandinsky in die Schweiz, von wo Kandinsky nach Russland weiterreiste. Münter verbrachte die Kriegsjahre in Skandinavien, erst später sollte sie erfahren, dass Kandinsky während dieser Zeit Nina Andreevskaja geheiratet hatte. Jeglicher Kontakt zwischen den beiden brach in der Folge ab. Nach einem längeren Aufenthalt in Paris, während dem sie neue Impulse für ihr künstlerisches Schaffen erhielt, ließ sich Gabriele Münter 1931 gemeinsam mit ihrem neuen Lebensgefährten Johannes Eicher wieder dauerhaft in ihrem - mit schönen und schmerzlichen Erinnerungen an Wassily Kandinsky verbundenen - Murnauer Haus nieder, um einen privaten und künstlerischen Neuanfang zu finden. Wie zu Zeiten des "Blauen Reiters" konzentrierte sie sich in ihrer Malerei auf Motive aus dem häuslichen und landschaftlichen Umfeld. Vielfach dienten ihr die Blumen aus dem üppigen kleinen Garten als Anlass zu zahlreichen Stillleben. Während des Zweiten Weltkriegs lebte Münter, von den Nazis mit einem Austellungsverbot belegt, zurückgezogen in Murnau. Sie beschäftigte sich intensiv mit Blumenstillleben, die sie gelegentlich verkaufte oder gegen Waren eintauschte. Ende der 40er Jahre setzte nach Jahren der Verfemung und des Vergessens ihre künstlerische Wiederentdeckung ein und ihre Werke wurden 1949 in der großen "Blaue Reiter"-Ausstellung im Haus der Kunst neben denen von Kandinsky, Marc, Klee, Macke und Kubin gezeigt. Die Ausstellung geriet zu einem der bedeutendsten Kunstereignisse der Nachkriegszeit und verhalf dem Expressionismus süddeutscher Prägung zu neuem Ruhm. Im Jahr 1951 erhielt endlich auch Gabriele Münter eine eigene, als Retrospektive über fünf Jahrzehnte ihres Schaffens konzipierte Ausstellung, die in mehreren deutschen Städten gezeigt wurde und der Malerin endlich - auch unabhängig von Kandinsky - die verdiente Anerkennung zuteilwerden ließ. 1962 stirbt Münter in Murnau. Wichtige Sammlungen ihrer Werke befinden sich heute in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München und in ihrem ehemaligen Haus in Murnau, das heute als "Münter-Haus" Werke der Künstlerin und von Wassily Kandinsky beheimatet.