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HIDDEN TREASURES

TREASURES FROM THE HOUSE OF WÜRTTEMBERG


NEUMEISTER special auction

MARCH 30 FROM 2 PM

CATALOGUE
HIDDEN TREASURES

EDITORIAL

In jedem Kunsthändler steckt ein Indiana Jones. Wie der Held aus dem Hollywood-Film warten wir auf Abenteuer und hoffen, selbst einmal einen verlorenen Schatz zu heben. Leider kommt das heute nur noch selten vor. Umso aufgeregter waren wir, als im Herbst 2021 etwa 60 Holzkisten in der Barer Straße eintrafen. In ihnen schlummerten Kostbarkeiten aus dem Hause Württemberg. Der Inhalt war dem Kunsthandel völlig unbekannt, da die Truhen teils über viele Jahrzehnte nicht geöffnet wurden. Wir haben den Schatz der Württemberger dann sorgsam aus den Holzkisten geborgen. Ich habe eine langjährige Auktionserfahrung, aber so eine Inventarisierung erlebt man wirklich nicht oft. Alle waren total neugierig, wir wussten ja nicht, was sich in den Kisten verbarg. Lediglich die Provenienz war klar: Der Schatz stammte aus dem früheren Schloss der Württemberger im oberschlesischen Carlsruhe (heute: Pokój). Das Schloss wurde 1945 beim Einmarsch der Roten Armee zerstört, seine bewegliche Ausstattung konnte jedoch bereits zuvor nach Württemberg in Sicherheit gebracht werden. Dort gelangte der Schatz später in den Besitz von Herzog Ferdinand von Württemberg, dessen Initialen – H.F.v.W – auf den Kisten eingebrannt sind. 

Nach und nach kam Stück für Stück ans Tageslicht. Alles war behutsam in Holzwolle eingebettet, teils auch in vergilbte Zeitungen umwickelt, die bis ins Jahr 1912 zurückdatieren. Jede Kiste barg Überraschungen, zum Beispiel ein Silberdöschen mit einer zierlichen Aufschrift, die für unsere Sonderauktion Hidden Treasures. Schätze aus dem Hause Württemberg geradezu programmatisch ist: Wiedergefunden. 

Insgesamt gehen rund 600 Kunst- und Einrichtungsgegenstände aus dem Nachlass von Herzog Ferdinand von Württemberg (3.4.1925 bis 2.11.2020) in die Auktion. In ihrer Fülle und Vielfältigkeit spiegeln diese Objekte das Leben eines hochherrschaftlichen Haushalts im 18. und 19. Jahrhundert wider. Zu den Highlights zählt Breslauer Tafelsilber mit Wappenkartusche und Monogramm aus dem 18. Jahrhundert. Prächtige Empire-Deckelterrinen mit Untersatz, vier Platten und 84 Teller sind prädestiniert für spannende Bietgefechte. Auch Freunde feinen Porzellans kommen auf ihre Kosten, denn alle bedeutenden deutschen Manufakturen sind mit reich bestückten Speiseservicen vertreten. Besondere Liebhaberstücke sind Ansichtentassen mit Veduten von Schloss Carlsruhe aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Von fürstlicher Tischkultur zeugen auch Karaffen, Sektflöten und Hunderte weiterer Gläser, die zu attraktiven Preisen aufgerufen werden. Ebenso wie monogrammierte Tischwäsche, Zylinder, Spazierstöcke, Regenschirme, Degen und Orden. Abgerundet wird das Angebot durch zahlreiche Graphiken und Pastelle sowie der Forschung bislang teils noch unbekannte Gemälde, darunter Werke von Johann Heinrich Tischbein d. Ä., Joseph Stieler und Ary Scheffer. Der Schatz von Carlsruhe erzählt auch von einem untergegangenen Abschnitt deutsch-polnischer Geschichte, lässt eine verlorene Zeit lebendig werden und lädt zum grenzüberschreitenden Dialog ein – ganz im Sinne des Herzogs Ferdinand von Württemberg, dem die deutsch-polnische Verständigung ein Herzensanliegen war. Insofern erhalten auch die Hidden Treasures der NEUMEISTER-Sonderauktion über den eigentlichen kunsthistorischen Wert hinaus eine ganz eigene, zeitlose Bedeutung.

Herzlichst, Ihre

Katrin Stoll
Geschäftsführende Gesellschafterin bei NEUMEISTER

Carlsruhe (heute Pokój) im Jahre 1805

VORWORT

„POKÓJ“ BEDEUTET NICHT NUR „FRIEDEN“.

Vor sechs Jahren, genau eine Woche nach dem polnischen Unabhängigkeitstag, wurde Ferdinand Eugen Herzog von Württemberg am 18. November 2016 am Sitz des Generalkonsulats der Republik Polen mit dem vom Staatspräsidenten Andrzej Duda gestifteten „Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen“ ausgezeichnet.

Diese hohe polnische Auszeichnung erhielt er für seine Verdienste, nicht auf dem Schlachtfeld, sondern um die deutsch-polnische Aussöhnung. Begleitet wurde er von Nikolaus Carl Ferdinand Prinz zu Waldeck und Pyrmont und Alexander von Württemberg. An solche Tage erinnert man sich im Konsulat noch viele Jahre. Die Wärme, welche die Herzen der Teilnehmer erfüllt, und die einzigartige, herzliche Stimmung der Zeremonie prägen den Charakter dieses Ortes und dessen Atmosphäre.

Die bewegende Begegnung mit Ferdinand Eugen Herzog von Württemberg ist uns in Erinnerung geblieben. Mit meinem kurzen Text möchte ich daran erinnern, dass seine Haltung und sein edler Charakter in ihrem Wesen von absolut unbezahlbarem Wert sind. Feingeist wie er war, der Erfahrungsschatz seiner gesamten Familie und die Lebensgeschichte, die dieser bescheidene Mann mit Polen und Deutschen teilte, sind es wert, dass man sich gemeinsam und beständig an sie erinnert. Imperien vergehen, Grenzen verändern sich, Totalitarismen fallen. Nur dank edler Gesinnungen und unerschütterlicher Herzen können wir Vorurteile überwinden und verstehen, dass Dialog, Wahrheit und Geschichtsverständnis stets die solidesten Bausteine für Brücken zwischen Menschen und Nationen sind – besonders in schwierigen Zeiten, wenn das Klirren des Eisens von Armeen, die sich zur Schlacht rüsten, wieder zu hören ist.

Ferdinand Eugen Herzog von Württemberg, ein Erbe einer großen Familie, wurde am 3. April 1925 in Bad Carlsruhe in Schlesien, damals ein ehemaliger Teil Deutschlands, geboren. Mittlerweile liegt seine Heimatstadt innerhalb der Grenzen der Republik Polen und heißt Pokój. „Pokój“ bedeutet im Polnischen nicht nur „Frieden“. Es bedeutet auch „Zimmer“, es ist also ein Ort des Zusammenlebens, ein Raum für Begegnungen und für das Leben. Möge zum einen das geistige Vermächtnis dieses edlen Mannes ein Licht für uns sein und zum anderen das materielle Vermächtnis seiner Familie das europäische „Zimmer“, in dem wir leben, schmücken.

 

Herzlichst, Ihr Jan M. Malkiewicz
Generalkonsul der Republik Polen

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