Franz Jakob Kreuter - 5 Zg./Aqu. Kreuter Doblhoff-Dier Villenkolonie
Aufträge Doblhoff
- 3 Bll. Doerfler/Weißenburg: WD 41, 176, 139)
- 2 Bll. Doerfler/Germer

auction 361, Lot 1021

ALTE KUNST 361 on 18 September 2013

Franz Jakob Kreuter

5 Zg./Aqu. Kreuter Doblhoff-Dier Villenkolonie
Aufträge Doblhoff
- 3 Bll. Doerfler/Weißenburg: WD 41, 176, 139)
- 2 Bll. Doerfler/Germer

estimate:
€ 2.300 to € 2.700

result:
€ 3.810 (incl. 27 % buyer's premium)

description:

Kreuter, Franz Jakob 1813 Lohr am Main - 1889 Wien

Fünf Entwürfe zu einer Villenkolonie für Baron Doblhoff-Dier, 1842 - 1846

Auftraggeber: Anton Freiherr von Doblhoff-Dier (1800 Görz - 1872 Wien).

Planung / Bauzeit: ab 1842 / 1843 - 46.

Entwurf für eine pompejanische Villa in Laxenburg bei Wien, um 1842/43. - Entwurf für eine Villa für Erzherzog Karl in Baden, um 1845: Ansicht der Gartenseite. - Entwurf für ein Landhaus in der Villenkolonie in Baden, um 1845: drei Fassadenaufrisse, Querschnitt und Grundrisse des Parterres, der ersten und der zweiten Etage.

Fünf Federzeichnungen auf Velin, drei Blatt aquarelliert. Tlw. bezeichnet "Baron Doblhoff in Wien". Meist mit Wasserzeichen "J. Whatman Turkey Mill 1835" (pompejanische Villa), "J. Whatman Turkey Mill 1836" (Villa für Erzherzog Karl, tlw. beschnitten). Tlw. rest. Fleckig, besch.

Franz Jakob Kreuter dürfte den Auftraggeber und späteren langjährigen Freund Anton Freiherr von Doblhoff-Dier über den Architekten Ludwig Förster kennengelernt haben, der 1835 in Wien die "Allgemeine Bauzeitung" gegründet hatte. Für diese Zeitschrift verfasste Kreuter gemeinsam mit weiteren Architekten Aufsätze und stellte Pläne zur Verfügung.

Doblhoff-Dier, Besitzer der Herrschaft Weikersdorf, plante im Zuge der Eröffnung der "Südbahn" (Eisenbahnlinie von Wien nach Gloggnitz) eine Umgestaltung und Modernisierung des rein biedermeierlich geprägten Baden bei Wien und im Zuge dessen eine Villenkolonie entlang dreier neuer Straßenzüge. Für dieses Projekt engagierte er neben F. J. Kreuter namhafte Architekten wie Ludwig Förster, Theophil Hansen, August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, die bis in die 1860er Jahre zahlreiche Villen und Landhäuser in diesem Gebiet bauten.

Das Konvolut mit den Entwürfen für die Doblhoff´sche Kolonie spiegelt exemplarisch die verschiedenen Villentypen im Formenrepertoire von Franz Jakob Kreuter wieder. Das Fassadenmotiv der für Baron Doblhoff-Dier erbaute Privatvilla in Laxenburg ist beinhae identisch mit jenem der Villa Gruber in Lindau (Kat.-Nr. 1020) zitiert. Die Gartenfassade wird durch eine halbrunde Exedra mit Terrasse im Obergeschoss und einem angefügten Flügelbau, der als Wintergarten genutzt wird, gestaltet. Die farbenfrohen pompejanischen Malereien, kombiniert mit Skulpturenschmuck, ziehen sich über und durch das gesamte Gebäude. Zierelemente wie Reliefs, Akroterien, Blumentöpfe etc. sollten aus der Baron Doblhoff´schen Terrakottafabrik in Wagram-Leobersdorf bezogen werden.

Etwas ländlicher zeigen sich die Entwürfe für Erzherzog Karl in Baden. Von einem fast kubischen Grundriss ausgehend, kragt der zweigeschossige mittlere Baukörper der Gartenfassade mit Veranda und Balkon zwischen den seitlich angefügten, im ersten Stock liegenden Terrassen hervor. Das Gebäude wird durch ein weit hervorstehendes Walmdach mit ländlichen Schnitzereien bedeckt und der symmetrisch angelegte Garten weist mit den beiden Brunnen Elemente auf, die auch in den Anlagen des Berliner Gartenarchitekten Joseph Lenné zu finden sind, mit dem Kreuter später auf der Roseninsel zusammenarbeiten wird.

Der letzte Entwurf zeigt ein Landhaus, das eine Kombination der Villa Elsholtz mit den Vorentwürfen zum Casino auf der Roseninsel zu sein scheint (Kat.-Nrn. 1019, 1027) .

Kreuters Entwürfe sollten wegweisend für die Landhausarchitektur nicht nur in Baden bei Wien, sondern in Österreich und im süddeutschen Raum werden.

 

Literatur: Hölz, Christoph, Der Civil-Ingenieur Franz Jakob Kreuter, Tradition und Moderne 1813 - 1889. München/Berlin 2003, S. 159 - 161, S. 165, S. 419, WV 27, S. 420, WV 28, S. 421, WV 29 - WD 176, 139 - Nezval, Bettina, Villen der Kaiserzeit, Sommerresidenzen in Baden. Horn/ Wien 1993, S. 138 - 141.