Franz Jakob Kreuter - 10 Zg./Aqu. Kreuter Villa Gruber Lindau
Villa Gruber in Lindau
- 9 Bll. Doerfler/Weißenburg: WD 165, 200, 167, 170, 171, 52, 162, 166, 1

auction 361, Lot 1020

ALTE KUNST 361 on 18 September 2013

Franz Jakob Kreuter

10 Zg./Aqu. Kreuter Villa Gruber Lindau
Villa Gruber in Lindau
- 9 Bll. Doerfler/Weißenburg: WD 165, 200, 167, 170, 171, 52, 162, 166, 1

estimate:
€ 5.000 to € 6.000

result:
€ 8.255 (incl. 27 % buyer's premium)

description:

Kreuter, Franz Jakob 1813 Lohr am Main - 1889 Wien

Entwürfe für die Villa Gruber "Lindenhof" in Lindau, 1842 - 1847

Auftraggeber: Friedrich Gruber (1805 Lindau - 1850 Palermo).

Planung / Bau: Frühjahr bis Herbst 1842 / 1843 - 1847, weitgehend erhalten.

Vorentwurf der Fassade, April 1842. - Aufriss der Ostfassade. - Südfassade mit Erweiterungsbau des östlichen Eingangspavillons, 1847: Aufriss der Südfassade des ausgeführten Baus. - Grundriss des Erdgeschosses. - Grundriss des Erdgeschosses des ausgeführten Baus. - Grundriss des ersten Obergeschosses. - Querschnitt der Villa. - Entwurf zum Deckenplafond der Ostveranda mit antikisierenden Szenen, um 1843. - Entwurf zum Deckenplafond im großen Salon mit allegorischen Frauengestalten. - Gedenkblatt anlässlich der Grundsteinlegung.

Zehn Federzeichnungen, tlw. aquarelliert bzw. laviert, tlw. über Bleistift, auf Velin. Ein Blatt r. u. signiert "FKreuter" (Deckenplafond im Salon). Meist bezeichnet. Ein Blatt mit Wasserzeichen "J. Whatman" (Erweiterungsbau). Verschiedene Formate von 21,6 x 27,4 cm bis 65,1 x 99,3 cm. Tlw. rest., tlw. aufgezogen. Fleckig, gebräunt.

Franz Jakob Kreuter ist gerade auf seiner zweiten Italienreise (1842) in Rom, als er durch die Vermittlung des dänischen Bildhauers Bertel Thorwaldsen den Bankier und Textilhändler Friedrich Gruber kennenlernt. Bereits in Rom wird Kreuter beauftragt, eine Villa am Bodensee zu bauen, die Gruber als Sommerwohnsitz nutzen möchte. Sogleich liefert er den ersten Entwurf und im Oktober desselben Jahres wird der Bauvertrag geschlossen. Bis zur Fertigstellung 1847 legt Kreuter insgesamt vier Entwürfe vor.

Der erste Entwurf zeigt einen noch fast kubischen Grundriss mit Schaufassade. Die Mitte wird durch eine halbrunde Exedra (nischenartiger Raum, der sich in einen Hof oder Garten öffnet, oftmals mit Säulenstellung) im Erdgeschoss betont, die von zwei hervorkragenden Seitenrisaliten und daneben zwei zurückstehenden Wintergärten flankiert wird. Auf dem Dach ist eine großzügige Aussichtsterrasse mit Belvedere geplant, auf den im nächsten Entwurf (Aufriss der Ostfassade) zu Gunsten einer kleineren Terrasse verzichtet wird. Aus der Serliana (mit Rundbogen überwölbte Wand- oder Fensteröffnung, seitlich flankiert von schmalen Rechtecköffnungen) im Obergeschoss entwickelt Kreuter eine fünfteilige Loggia mit schmalen, hohen Fenstern, die durch ionische Säulen definiert wird. Im Erdgeschoss zieht sich eine Loggia mit ionischen Säulen um das Gebäude und setzt durch die korinthische Säulenordnung den Hauptakzent auf die mittige Exedra.

Der Ausführungsentwurf der Südfassade zeigt etwas größere Ausmaße. Kreuter erweitert den Bau um zwei Flügelbauten im Osten und Westen. Der ursprüngliche Wintergarten wird zum Innenraum und der Eingang wird durch einen an der Südfassade platzierten Dreiecksgiebel in Szene gesetzt. Das Augenmerk des Architekten liegt nun nicht mehr auf der Kompaktheit des ersten Entwurfes, sondern auf der aufwendigen Fassadengestaltung und Innenausstattung (vgl. Querschnitt). Die Wände sind mit Skulpturen und pompejanischen Malereien innen und außen geschmückt und werden durch zahlreiche bewachsene Loggien, Pergolen und Balkone in die Gartenlandschaft integriert, die durch den Landschaftsgärtner Maximilian Friedrich Weyhe gestaltet wurde und bis heute als "Lindenhofpark" bekannt ist.

Aus der ursprünglichen Villa hat sich ein Gutshof entwickelt, der die Wirtschaftsräume im selben Gebäude beherbergt, wie die Zimmer des Hausherrn. Hinzu kommt, dass all diese Zimmer von außen zu betreten waren, was den Alltag des Dienstpersonals gleichermaßen wie den des Hausbesitzers erheblich erleichterte.

 

Literatur: Hölz, Christoph, Der Civil-Ingenieur Franz Jakob Kreuter, Tradition und Moderne 1813 - 1889. München/Berlin 2003, S. 168 - 185, S. 413 ff - WD 162, 165, 52, 167, 171, 166, 200, 168.