EDITORIAL ZUR AUSGABE 13/24
MAGAZIN ZUR MÄRZAUKTION


 

 

Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde,

zunächst bedanke ich mich herzlich für alle Glückwünsche anlässlich unseres 65. Firmengeburtstages und meiner 15-jährigen Geschäftsführerschaft! Es war für mich persönlich bewegend, die Geschichte unseres Auktionshauses bei der stimmungsvollen Geburtstagsfeier im letzten Dezember mit Weggefährten und Freunden des Hauses Revue passieren zu lassen. Mitgefeiert haben natürlich auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und ich möchte an dieser Stelle einmal betonen, wie stolz ich auf unsere Mannschaft bin! Seit Jahr und Tag setzt sich unser Dreamteam in und außerhalb der Barer Straße 37 mit großem Engagement für die Belange des Auktionshauses ein. Vor allem das einzigartige Know-how unserer Expertinnen und Experten sowie deren weltweite Vernetzung mit wichtigen Persönlichkeiten und Institutionen haben in all den Jahren zum Renommee unseres Hauses beigetragen. 

Unsere Inhouse-Spezialisten haben auch den Wandel vom Katalog zum Magazin mitgetragen und bringen ihr Wissen in jeder Ausgabe ein. Das Ergebnis ist eine wunderbare Publikation, die inhaltlich und ästhetisch Maßstäbe in der Branche setzt. Seit Erscheinen der ersten Ausgabe im August 2020 erhalte ich regelmäßig ermunternde Zuschriften und bedanke mich für diesen stetigen Zuspruch. Ich freue mich wirklich sehr über das positive Feedback, zumal allem ein Nachhaltigkeitsgedanke zugrunde liegt:

Für die Produktion unserer gedruckten Kataloge brauchte es seinerzeit 34 Tonnen Papier pro Jahr, und da dies in völligem Widerspruch zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung stand, war es nur folgerichtig, die gedruckten Kataloge durch ein digitales Pendant zu ersetzen. Das führte am Anfang vereinzelt zu Irritationen, mittlerweile wurden die zahlreichen Vorteile erkannt – dass man zum Beispiel online 24/7 und von überall aus auf die Objekte zugreifen und Fotos direkt auf Handy oder PC speichern kann und auch eine Lupe nicht mehr nötig ist, da sich die Online-Bilder vergrößern lassen, um Details anzuschauen. Im Hinblick auf rationelles wie nachhaltiges Wirtschaften setzt NEUMEISTER seit 2019 verstärkt auf Digitalisierung – und nun folgt der nächste Coup: Ab März wird es bei uns Online OnlyAuktionen geben. Ein überfälliger Schritt, denn über den digitalen Weg eröffnen sich Einlieferern beim Verkauf und Bietern beim Ersteigern mehr Möglichkeiten – und Nervenkitzel ist hier wie dort im Spiel. 

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“, sagte Franz Kafka. Und so halten wir es auch bei NEUMEISTER. Unser Magazin ist dafür ein gutes Beispiel. Es soll – über den rein merkantilen Aspekt hinaus – auch etwas von unserer Philosophie vermitteln, von der Begeisterung für unsere Versteigerungsobjekte, deren Kulturgeschichte und bisweilen unglaublichen Stories, die sich hinter ihnen verbergen. Hinzu gesellt sich das Bewusstsein, dass wir mit Dingen handeln, die durch und durch nachhaltig sind. Ob Biedermeier-Schrank oder Barock-Kommode – alles, was in unsere Auktionen kommt, weist eine unschlagbare Öko-Bilanz auf. 

Natürliche Ressourcen werden mithin bei jedem Hammerschlag geschont, da nichts mehr produziert werden muss. Alles ist ja schon da. Und Nachhaltigkeit meint hier nicht nur die Hardware, sondern bezieht sich auch auf Inhalte. Dass Umweltzerstörung keine Erkenntnis der Last Generation ist, zeigt schon ein Blick auf die zeitkritischen Werke der Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Als ausgezeichnete und in ihrer Zeit ungemein moderne Naturbeobachter thematisierten sie eindriglich die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen. Ein Beispiel dafür ist der verlassene Steinbruch im Wald von Fontainebleau, ein Gemälde, mit dem Jean-Baptiste Camille Corot (1796 – 1875) den Blick auf die Wunden richtet, die der Mensch der Natur zufügt. Auch in der März-Auktion finden sich Werke, die von der Liebe zur Natur und im Wissen um ihre Fragilität getragen sind – und die eine weitaus größere Wirkung erzielen dürften als wirre Aktionen, bei denen Gemälde heutzutage in Museen mit Farbe beschüttet und verunstaltet werden. Schwamm drüber!

Was mich persönlich bei jeder Auktion immer wieder aufs Neue begeistert, ist die hohe Handwerkskunst unserer Objekte. Ein besonders illustres Beispiel aus der aktuellen Versteigerung ist eine um 1627 gefertigte „Löwenuhr“. Und da wir auch in diesem Magazin gerne hinter die Kulissen blicken, erfahren Sie, wie ein Uhrmacher diesen wertvollen Zeitmesser in frischem Glanz erstrahlen lässt. Anlässlich der Eröffnung unserer Vorbesichtigung widmen wir übrigens einen Abend der Zeit und Mechanik. Als Referenten konnten wir dafür Professor Dr. Wolfgang Heckl, Physiker und Direktor des Deutschen Museums in München, gewinnen sowie den Uhrmachermeister Andreas Fritsch, der einigen auch aus „Kunst und Krempel“ bekannt sein wird. Den Blick möchte ich überdies auf die zum Aufruf kommende Vintage-Mode lenken. Hinreißend zum Beispiel ein schwarzes Seidenchiffon-Cocktailkleid von Christian Dior, bestickt mit Perlen und Pailletten in Blütenform. Dann dieses Ensemble von Mantel und Kleid, im Hippie Style für Lanvin entworfen – es zeugt davon, wie sich Mode und Kunst gegenseitig inspirieren: Goldund Silberbrokat ist bei den Lavin-Pieces ebenso im Spiel wie erneut bei einem Fächer-Kunstwerk von Miriam Schapiro, das im März bei uns versteigert wird. Um beim Thema zu bleiben: In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen die Münchner Moderschöpferin Natascha Müllerschön vor, deren Kreationen nicht nur atemberaubend schön sind, sondern auch für Handwerkskunst in Perfektion stehen. Es ist zudem eine Geschichte über leidenschaftliches Unternehmertum, das – wie bei NEUMEISTER – Tradition und Innovation vereint, mutig ist und positiv nach vorne denkt. So etwas braucht es in heutigen Zeiten. Und spätestens jetzt wird’s politisch.

Bislang habe ich mich in diesem Magazin mit politischen Äußerungen zurückgehalten, nun aber bitte ich um Verständnis für einige offene Worte. Was in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Deutschland gerade vor sich geht, macht mich betroffen. Die ökonomischen Daten sind miserabel und die Ratlosigkeit der Politik wirkt bedrückend. Wo soll das hinführen? Und wer hat Schuld? Dazu las ich kürzlich in der Neuen Zürcher Zeitung: „Zu den Aufgaben einer Regierung gehört es, in anstrengenden Zeiten Lösungen aufzuzeigen und Zuversicht zu verbreiten“. Lösungen? Da ist die Performance unserer Regierung beschämend. Immer tiefer rutscht Deutschland in die Rezession. Schon lange ist unser Land der einzige G7-Staat, dessen Bruttoinlandsprodukt sich negativ entwickelt. Trotzdem wird kräftig verteilt, obgleich die Sozialausgaben hierzulande in zwei Jahren um ein Viertel gestiegen sind. Und dann diese unsäglichen Streiks, die ein ganzes Land lahmlegen. Da gerät doch etwas aus den Fugen, auch im Denken. Wer fragt heute noch, was er für den Staat tun kann? Für viele zählt nur, was dieser für ihn tut. Es sollte umgekehrt sein, so wie es John F. Kennedys formulierte. Das würde uns in Zeiten eines nie dagewesenen Anspruchsdenkens helfen.

Bei aller aktuellen Tristesse: Es gibt keinen Grund für eine kollektive Depression. Denn: Geht es uns nicht immer noch verdammt gut? Gerade hier in Bayern ist das sowohl in klimatischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht wohl so. Nur schwer ertrage ich daher die allgemeine Weltuntergangs-Kakophonie, insbesondere auch der Medien. Gut, es gibt zahlreiche Herausforderungen, vielleicht leben wir gerade in einer disruptiven Zeit. Nur: Jammern bringt uns nicht weiter. Ärmel hochkrempeln, zusammenstehen, Augen zu und durch sollte die Devise sein. Und wenn wir die Krisen schon nicht negieren wollen, können wir es immer noch halten wie Max Frisch: „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ In diesem Sinne! 

Herzlichst...

Katrin Stoll
Geschäftsführende Gesellschafterin bei NEUMEISTER
 

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