SPRAYER.
MALER.
BILDHAUER


BANKSY


PASST IN KEINE SCHABLONE.

Wer, verdammte Axt, ist Banksy? Alle wollen’s wissen, doch kaum einer weiß, wer sich hinter dem Künstlernamen versteckt. Ist’s ein Mann? Eine Frau? Oder doch ein Kollektiv? Viele reduzieren den ominösen Street-Art-Künstler, der seit Anfang der 2000er-Jahre überall auf der Welt Schablonengraffiti hinterlässt, auf seinen Status „Superstar an der Dose“. Und wissen gar nicht, was für ein begnadeter Maler und Bildhauer er auch ist. Sein fantastisches Ölgemälde „Are you using that Chair?“ (2005) zum Beispiel ist Banksys Hommage an Edward Hoppers „Nighthawks“ (1942). 

 


BANKSY
1974 Bristol

BANKSQUIAT (GREY). 2019

Rechts unten mit weißem Filzstift signiert.
Links unten Blindstempel des Künstlers.
Serigraphie in schwarz und weiß auf grauem Karton.
Hrsg. Banksy, Gross Domestic Product (GDP).
65 × 70 cm

AUKTION 409 // LOT 690
SCHÄTZPREIS € 60.000 – 80.000

Mit einem Echtheitszertifikat von Pest Control

Auch heute klingen Street und Urban Art für einige noch nach Subkultur und Underground – in jedem Fall nicht nach hoher Kunst, die in die heiligen Hallen eines Museums gehört. Durch Stars wie Banksy änderte sich das. Bei NEUMEISTER kommt in der Juni-Auktion nun dessen Siebdruck „Banksquiat (Grey)“ zur Versteigerung. Darin bearbeitet der umtriebige Künstler eines seiner Herzensthemen: die stetige Kommerzialisierung sämtlicher Lebensbereiche. Konkret handelt es sich um eine Hommage an den New Yorker Post-Graffiti-Pionier Jean-Michel Basquiat. Ein geschickt gewähltes Motiv, das eine kleine Familie vor einem Riesenrad zeigt, dessen Waggons durch die typischen Kronensymbole von Basquiat ersetzt werden. Der Zusammenhang ist schnell hergestellt: Nach dem tragischen Tod des gerade mal 28 Jahre alten Künstlers Jean Michel Basquiat nutzten viele Unternehmen seine Kunst für die Vermarktung und den Verkauf eigener Produkte. Auf satirische Art stellt Banksy diese aus seiner Sicht hemmungslose Kommerzialisierung in Frage – zumal Basquiat selbst die zunehmende Kommerzialisierung der Gesellschaft aktiv kritisierte.

Wie hat es einer wie Banksy, der derart gesellschaftskritisch ist, geschafft, derart beliebt zu werden? Sein Trick: Er nutzt vertraute popkulturelle Motive, die den Betrachter sofort ansprechen. Da lässt man sich die kritische Botschaft gefallen. Den erhobenen Zeigefinger will niemand sehen. Banksy formt ihn zu einem Herz, um ihn im zweiten Schritt dann doch auszustrecken. Sein Werk „Napalm“ (2004) ist ein Beispiel dafür. Darauf zu sehen: Ronald McDonald und – wie süß! – Mickey Mouse, die zusammen – wie schrecklich! – das nackte Mädchen an den Händen halten, dessen Foto als Symbol für den Vietnamkrieg um die Welt ging. Die USA, stellvertretend für den Westen, bekommen immer wieder einen drauf von Banksy, dem Friedenskämpfer. 

Auftragsarbeiten Beträge in schwindelerregenden Höhen ein. Selbst dann, wenn das Werk eigentlich zerstört ist. Unvergessen die wohl spektakulärste Aktion in der an Spektakeln reichen Karriere Banksys: Bei einer Versteigerung des Londoner Auktionshauses Sotheby‘s war sein „Girl with Balloon“ im Oktober 2018 für umgerechnet etwa 1,2 Millionen Euro verkauft worden – und zerstörte sich unmittelbar nach dem Zuschlag an den Höchstbietenden fast vollständig selbst. Banksy hatte unbemerkt einen Schredder in den Rahmen eingebaut. Die Aktion, die Banksy offenbar von langer Hand geplant hatte, sollte eigentlich sein Kommentar gegen die Kommerzialisierung der Kunst sein. Als dann drei Jahre später dieses nur noch halb im Rahmen hängende, im unteren Bereich in feine Streifen geschnittene Bild unter dem neuen vielsagenden Titel „Love is in the Bin“ („Die Liebe ist im Eimer“) erneut zur Auktion kam, fiel der Hammer bei 16 Millionen Pfund, umgerech - net damals rund 18,8 Millionen Euro. Verrückte neue Kunstmarkt-Welt. 

Bevor NEUMEISTER das Banksy-Werk „Banksquiat (Grey)“ aufruft, wird der Rahmen vom Experten-Team zuvor noch einmal ganz genau unter die Lupe genommen… Das, was der ominöse Künstler verdient, nutzt er für den guten Zweck, für Reisen in den Gazastreifen etwa, wo er ebenfalls seine mit der Dose gesprühten Spuren der Liebe hinterließ. Hier entstand auch sein „The Walled Off Hotel“, das sich unmittelbar an der Grenzmauer zwischen Israel und dem Westjordanland befindet, 2017 eröffnete es in Bethlehem. Die Inneneinrichtung des Hotels wurde vom Künstler selbst mit zahlreichen Anspielungen auf den Nahostkonflikt gestaltet

Oder Ende 2022 in der Ukraine. Auch hier arbeitete er wieder mit einfachen Motiven. Was sie so wirkungsvoll macht, ist das Umfeld, in dem sie zu sehen sind: mitten im stark verwüsteten Kiewer Vorort Borodjanka. Fotos auf dem Instagram-Account des Künstlers zeigten etwa auf der grauen Wand eines kriegszerstörten Hauses ein Mädchen, das auf den Trümmern einen Handstand macht. Die Veröffentlichung auf seinem Instagram-Kanal gilt traditionell als Zeichen, dass Banksy ein Werk als seines bestätigt. Doch man darf davon ausgehen, dass er auch hinter den anderen Bildern steckt. Hinter dem der beiden Kinder beispielsweise, die per Spraydose so geschickt auf eine Mauer und eine davorliegende Panzerfalle platziert wurden, dass es wirkt, als würden das Mädchen und der Junge auf der Falle wippen. Oder der kleine Junge auf einer Wand in Borodjanka, der einen erwachsenen Mann beim Judo zu Boden wirft; offenbar eine Anspielung auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der begeisterter Judoka ist. All das fügt sich ein in die zerstörten, verlassenen Orte – wie schwarz-weiße Schatten von Menschen, die hier einst gelebt, geliebt, geträumt haben.

Seinen Ruhm verdankt Banksy also auch seinem virtuosen Spiel mit den digitalen Medien. Durch die Sozialen Netzwerke kann er der ganzen Welt in Sekundenschnelle von einem neuen Werk erzählen – manchmal kurz bevor es zerstört ist. Ein typisches Beispiel für Banksys temporäre öffentliche Interventionen ist die „Vandalised Phone Box“: Sie wurde kurz nach ihrem Auftauchen am Soho Square in London im Jahr 2005 von der Stadtverwaltung entfernt. Doch Dank des Internets waren innerhalb weniger Stunden Fotos der Arbeit im Umlauf. Bereit, die Welt zu erobern – und vor das nächste Rätsel zu stellen. Kunst-Schnitzeljagd 2.0. kjk

YOUNG COLLECTORS

BERND SCHWARZER, JEFF COONS, CINDY SHERMAN, MIKE KELLEY, JOSEPH BEUYS, MO EDOGA, MARTIN KIPPENBERGER UVM. 


Unter dem Label der „Young Collectors“ kommen auch Werke von Künstlern zum Aufruf, die auf der documenta zu sehen waren. Die Schau, die die Kunstwelt immer wieder erschüttert hat, gilt als weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Sie findet alle fünf Jahre in Kassel statt und dauert jeweils 100 Tage. Bei der letzten documenta 15 (8. Juni bis 25. September 2022), deren künstlerische Leitung dem Künstlerkollektiv „ruangrupa“ aus Indonesien übertragen worden war, kam es bereits im Vorfeld zu einem Antisemitismuseklat, in dessen Folge sogar gefordert wurde, die documenta 15 vorzeitig abzuberechen. Die Generaldirektorin legte ihr Amt nieder, und zum 1. März 2023 wurde Kulturmanager Andreas Hoffmann als neuer Geschäftsführer der documenta eingesetzt. Die nächste documenta findet vom 12. Juni bis 19.September 2027 statt.