KUNST AUS KITZ
ALFONS WALDE


Von NEUMEISTER-Expertin Susanne Richter M.A.

 

Die verschneiten Berge Tirols, einsam gelegene Berghütten und Skifahrer, die dynamisch die Piste herunterwedeln: Alfons Walde prägte das Bild Kitzbühls als Wintersportort – aber er konnte auch Sommer: Das belegt sehr eindrucksvoll das Ölgemälde „Schwarzsee bei Kitzbühel“. Die wunderbare Arbeit aus dem Jahr 1933, die den Blick vom alten Strandbad über den Moorsee zum Wilden Kaiser zeigt, dürfte bei der Juni-Auktion für großes Aufsehen sorgen. 


Alfons Walde wird am 8. Februar 1891 als Sohn eines Lehrers in Oberndorf, damals ein Ortsteil von St. Johann, in Tirol geboren. 1892 siedelt die Familie nach Kitzbühel über, wo der Vater Schulleiter wird. Alfons besucht von 1903 bis 1910 die Realschule in Innsbruck – und er malt. Da sein Vater darauf besteht, studiert er von 1910 bis 1914 Architektur an der Technischen Hochschule in Wien – und malt weiter: Vor allem Bauerngehöfte, Felder und Gärten mit weichen, warmen Aquarell - tönen. 

In der Großstadt sucht und findet Walde Kontakt zu den Secessionisten, dem Künstlerbund um Gustav Klimt. Mit Egon Schiele, der Waldes Frühwerk beeinflusst, verbindet ihn eine innige Freundschaft.

Nach dem Ersten Weltkrieg, den Walde als Gebirgsjäger erlebt, beginnt er wieder zu studieren, um Ende 1918 nach Kitzbühel zurückzukehren – und dort malt er wieder, findet eine eigene Bildsprache und entwickelt seinen expressiven und dynamischen Stil. Die Motive findet Walde in den Kitzbüheler Alpen: Landschaft, Skifahren, bäuerliches Leben und Dorfbewohner in Sonntagstracht; alles in intensiven Farben strahlend, getaucht in grelles Licht. 

Bald nimmt die Karriere des Künstlers Fahrt auf. Walde gewinnt Preise, nimmt 1925 an der Biennale in Rom teil und zeigt seine Werke 1928 im Carnegie Institute in Pittsburgh.

Zur Malerei immer mehr als zur Architektur hingezogen, schafft Alfons Walde jedoch auch bemerkenswerte Bauten. Allen voran sein 1929 errichtetes Berghaus am Hahnenkamm, das mit Traditionen bricht und – versehen mit Flachdach und großen Fenstern – die Moderne in die Berge bringt. 

Und da man in dieser Abgeschiedenheit auch ungestört feiern konnte, wird Waldes Domizil schnell zum gesellschaftlichen Treffpunkt. Dann natürlich sein Entwurf für die Berg- und Talstation der Hahnenkammbahn, der für die Zeit einzigartig ist und vorbildgebend für die weitere Seilbahnarchitektur sein wird. 1928 eröffnet die Hahnenkammbahn als einer der ersten Seilbahnen in den Tiroler Bergen, womit sich der Weg nach oben für Wanderer und Wintersportler fortan sehr viel bequemer gestaltet.

Alfons Walde bringt in ganz Kitzbühel auch Farbe ins Spiel. In seiner Funktion als örtlicher Baureferent entscheidet er über die Farbgebung der Häuser in der Altstadt. Und so werden dort aus grauen bunte Fassaden, was das Stadtbild im Zentrum Kitzbühels bis heute prägt.

Nachdem Liftanlagen und Luxushotels gebaut sind, steht alles für Besucher bereit. Und die lassen sich nicht lange bitten, sodass Kitzbühel in den Goldenen Zwanzigern vom abgeschiedenen Bergdorf zum mondänen Skiort aufsteigt. 

Alfons Walde verfolgt den Aufschwung des Tourismus in seinem Heimatort aufmerksam und wirbt für ihn – auch aus eigenem Interesse, denn je belebter der Ort, desto voller seine Auftragsbücher. Dabei erweist sich Walde als Meister der Selbstvermarktung, vertreibt seine beliebtesten Bilder als Postkarten und später auch als Kunstdrucke im eigenen, schon 1923 gegründeten Verlag. Bis 1950 verkauft Walde über 1.000.000 Farbpostkarten und 200.000 Farbdrucke seiner Bilder. Dadurch erhöht sich seinen Bekanntheitsgrad enorm, bald ist er der beliebteste Maler der österreichischen Alpen in der Moderne.

Auf Alfons Walde geht auch das bekannte Logo Kitzbühels zurück. Der umtriebige Künstler designt die rote Gams 1931 für den örtlichen Skiverein. Für die Skischule fertigt Walde – selbst Bergführer – gratis Plakate an, auf denen die Farbe Rot dominiert. Seitdem tragen die Kitzbüheler Skilehrer rote Anzüge und nennen sich die „Roten Teufel“.

Spätestens mit dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland im Jahr 1938 ändert sich alles. Walde ist bekennender Nazi-Gegner, und verschweigt das nicht. Er wird aller Ämter enthoben, hat mehrmals die Gestapo im Haus, muss kurzzeitig in Haft und steht dreimal auf der Todesliste nach Dachau.

Nach Kriegsende erlebt Alfons Walde, wie Kitzbühel wieder aufblüht und Stars aus Hollywood kommen. Am 11. Dezember 1958 erleidet der schon lange herzkranke Maler einen Herzinfarkt und stirbt. 

 


 

ALFONS WALDE
1891 Oberndorf – 1958 Kitzbühel

SCHWARZSEE BEI KITZBÜHEL. 1933

Öl auf Karton.
42,8 × 68,2 cm.
Original-Rahmen des Künstlers

AUKTION 409 // LOT 606
ERGEBNIS 
€ 325.000 (inkl. 30 % Käuferaufgeld)

 

 

Ein schriftliches Gutachten von Michael WaldeBerger vom 9.05.2023 liegt vor. Das Gemälde wird in das sich in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis mit der Archivnummer D-LA-1192 aufgenommen.

 


WIESEN. WÄLDER. WILDER KAISER


Das Sujet „Schwarzsee bei Kitzbühel“ ist Bestandteil einer erfolgreichen Themenreihe sommerlicher Motive von Alfons Walde und findet sich häufig als Motiv auf Postkarten für den vom Künstler gegründeten Verlag.

Der Betrachter blickt vom nordwestlichen Ufer des Schwarzsees bei Kitzbühel Richtung Norden. Am Hang oberhalb des Seeufers erkennt man ein Gehöft mit zwei Häusern, links eine Scheune oder Stall und rechts, zentral in der Mitte des Bildes ein Bauernhof mit Balkonen. Das Gehöft liegt auf einer sommerlichen Wiese, die von Baumreihen und Wäldern umgeben ist. Im Hintergrund thront der „Wilde Kaiser“ mit seinen schroffen Felsformationen, die noch mit Schnee bedeckt sind.

Die sommerlichen Motive von Walde, die Landschaft um Kitzbühel mit ihren warmen, freundlichen Hügeln, Wäldern und Seen im Kontrast zu den rauen, unwegsamen Bergen in ihren Felsformationen, die bedrohlich im Hintergrund stehen, üben eine besondere Faszination aus.

Der Künstler wurde fast zu der Zeit geboren, als Skipionier Franz Reisch das erste Mal eine Ab - fahrt vom „Kitzbüheler Horn“ wagte (1893). Er war ein sehr junger Zeuge der Geburtsstunde des Skisports in Kitzbühel und somit auch immer bestrebt, seine Heimat, auch im Sommer, mit großer Begeisterung und Unterstützung als Touristenregion zu bewerben. Er war nicht nur Grafiker, der viele Entwürfe u.a. für den damaligen Verschönerungsverein, Vorgänger des Tourismusverbandes und für den Skiclub schuf, sondern trug auch durch die Verbreitung seines Werkes mittels Postkarten und Kunstdrucke, die er im Zuge des von ihm gegründeten Kunstverlages in die ganze Welt verkaufte, zur Bekanntheit der Region bei. Der Schwarzsee als besonderer Ort der Sommerfrische war und ist auch heute noch mit seinem gesundheitsfördernden Moorwasser sehr beliebt.  

Der Künstler schuf im Gegensatz zu anderen Sujets nur wenige Landschaftskompositionen mit dem Schwarzsee. Hingegen sind viele intime bis öffentliche Badeszenen, die das Treiben um den See schildern, entstanden.

Die Komposition des Gemäldes zeigt einerseits die in grün-blau gehaltenen Farbtöne der satten, feuchten Wiesen und Wälder des Tales, die die Wärme des bald zu erwartenden Sommers erahnen lassen. Im Kontrast dazu steht der in blaugrau-weiß gehaltene Hintergrund des Werkes mit dem kühlen, majestätisch wirkenden Kaisermotiv, das von einem blau-gräulich wirkenden Himmel eingefasst wird. Ein Bildaufbau, der vom Künstler immer wieder gewählt wurde. „So dienten die bekannten Berggruppen wie die Jochberger Berge, Loferer Steinberge und vor allem der Wilde Kaiser immer wieder als bildfüllende Elemente, die oft schablonenhaft als Bausteine zur Erhebung des Werkes eingesetzt wurden“, so Michael Walde-Berger, Enkel von Alfons Walde. 

Wir danken Herrn Michael Walde-Berger für die freundliche Unterstützung bei der Katalogisierung.

 


MUSEUM KITZBÜHEL – SAMMLUNG ALFONS WALDE

Das Museum eröffnet einen einmaligen Einblick in Geschichte und Kultur Kitzbühels. Der Schwerpunkt der permanenten Schausammlung liegt auf Alfons Walde, dessen Werk mit 60 Gemälden sowie über 100 Grafiken, Zeichnungen, Fotografien und Druckgrafiken präsentiert wird.

www.museum-kitzbuehel.at


 

 


 

VIELLEICHT AUCH INTERESSANT


 

 

LEIPZIGER ALLERLEI

WELLENSCHRANK, Leipzig, dat. 1707