NOCH ERHÄLTLICH - SKULPTUREN UND MULTIPLES ZEITGENÖSSISCHE MODERNE AUS DER DEZEMBER AUKTION

Robert Indiana - Love (blau). 2011

Auktion 69, Kat.-Nr. 1073

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.500
noch erhältlich

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AMAR NATH SEHGAL

HEILIGE KUH
1971
AUKTION 69 // LOT 1034
Bronze, grün patiniert.
Eines von 5 Exemplaren
30 × 65 × 35 cm
SCHÄTZPREIS 3.000–5.000
KUHL

Man muss kein Vegetarier sein, um dieser Kuh ein immer glückliches Leben zu wünschen

Dabei schaut sie eher aus wie ein Kälbchen. Zufrieden liegt sie da und schleckt sich das Fell. Obwohl Amar Nath Sehgals Skulptur aus massiver Bronze gefertigt ist, wirkt sie weich und warm. Man könnte sie sich gut auf einer bayerischen Almwiese vorstellen, den blauweißen Himmel über ihr.

Der indische Künstler Sehgal (1922–2007) hätte sie vermutlich eher irgendwo in den Straßen Delhis verortet; oder am Gangesufer im Sonnenschein. Hier hat sie nichts zu befürchten. Denn in Indien gilt, was der Name des Kunstwerks unterstreicht: Kühe sind heilig und deshalb respektvoll zu behandeln.

Der Hindu-Gott Krishna soll der Legende nach bei Kuhhirten aufgewachsen sein; die Mutter aller Kühe nennen die Hindus Kamadhenu – die „Wunschkuh“, weil sie Ersehntes wahr werden lassen kann. Außerdem soll schon manche Hindu-Gottheit in den Körper eines Rindes geschlüpft und sich in ihm gezeigt haben.

Wenn diese besonders freundlich wirkende Heiligkeit von Kuh nun im Dezember bei NEUMEISTER versteigert wird, ist das auch ein Gruß an den immer größer werdenden Kreis von Bietern aus dem indischen Raum. Online und per Telefon schalten sich Käufer aus der ganzen Welt für Auktionen nach München in die Barer Straße zu. Aus über 50 Ländern, gerade Gebote aus Indien und China werden in den vergangenen Jahren mehr und mehr abgegeben. Und so wie diese Kunstliebhaber häufig an europäischen Schätzen interessiert sind, so reizt weltoffene Sammler von hier Exotisches aus anderen Regionen der Erde.

Das Werk von Amar Nath Sehgal steht symbolisch für den friedvollen kulturellen Austausch über Landesgrenzen hinweg, der da ganz nebenbei bei jeder Auktion stattfindet. Seine Skulpturen sollten, so formulierte es der Künstler selbst einmal, Zeugnisse sein von Widerstand gegen alles Böse in der Welt, Zeichen von Hoffnung, Verbindung, Freundlichkeit, Vitalität und Menschlichkeit. Geleitet von diesem Ideal ist auch seine berühmte Gandhi-Büste entstanden, die seit 1973 im Stadtpark von Luxemburg steht. Das Besondere daran: Indem Sehgal Gandhi ohne seine Brille auf der Nase darstellt, bricht er mit dem schon ikonischen Bild, das wir von dem Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung haben. Keine Barriere trübt die Sicht des Betrachters auf die wachen Augen dieses Friedenskämpfers. Dessen Gesichtszüge sind so genau und unverwechselbar gefertigt, dass deutlich wird: Amar Nath Sehgal, der gern mit seinem britischen Kollegen Henry Moore verglichen wird, konnte abstrakt genauso gut wie gegenständlich. Doch ob so oder so, jedes seiner Werke – von den Skulpturen über seine Zeichnungen bis hin zu den Gedichten – drückt tiefe menschliche Emotionen aus. Immer erkennen wir uns wieder. Und sei es in einer zufriedenen heiligen Kuh.

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