NOCH ERHÄLTLICH - ALLE GEMÄLDE 15.-18. JH. AUS DER DEZEMBER AUKTION

Süddeutsch - Christus vor Herodes - Dornenkrönung Christi

Auktion 390, Kat.-Nr. 538

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

Battista Dossi (Battista Luteri; Battista di Niccolò di Lutero) - Die Flucht nach Ägypten

Auktion 390, Kat.-Nr. 542

Schätzpreis € 50.000 bis € 70.000
noch erhältlich

Italien (?) - Pietà mit Engeln

Auktion 390, Kat.-Nr. 546

Schätzpreis € 1.800 bis € 2.200
noch erhältlich

Deutsch - Allegorie des christlichen Lebens

Auktion 390, Kat.-Nr. 547

Schätzpreis € 3.000 bis € 4.000
noch erhältlich

Cornelis de Baellieur (Balju) - Die Kreuztragung - Christus und die Hl. Veronika

Auktion 390, Kat.-Nr. 550

Schätzpreis € 20.000 bis € 30.000
noch erhältlich

Flämisch - Die Beschneidung Christi

Auktion 390, Kat.-Nr. 552

Schätzpreis € 2.000 bis € 2.500
noch erhältlich

Jan Wildens - Baumlandschaft mit Hirschjagd

Auktion 390, Kat.-Nr. 554

Schätzpreis € 4.000 bis € 6.000
noch erhältlich

Gottfried (Goffredo) Wals - Landschaft mit Ruine und Figurenstaffage

Auktion 390, Kat.-Nr. 557

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

Gottfried (Goffredo) Wals - Uferlandschaft mit Fischerboot und bäuerlicher Figurenstaffage

Auktion 390, Kat.-Nr. 558

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

Flämisch - Sommerliche Dorflandschaft mit Figurenstaffage

Auktion 390, Kat.-Nr. 560

Schätzpreis € 3.000 bis € 3.500
noch erhältlich

Cornelis Gerritsz. Decker - Niederländische Flusslandschaft

Auktion 390, Kat.-Nr. 562

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

Gaspard Dughet, gen. Gaspard Poussin - Baumlandschaft mit antikisierender Figurenstaffage

Auktion 390, Kat.-Nr. 564

Schätzpreis € 10.000 bis € 15.000
noch erhältlich

Adriaen Hendriksz. Verboom - Überfall im Wald

Auktion 390, Kat.-Nr. 565

Schätzpreis € 20.000 bis € 25.000
noch erhältlich

Niederlande - Reiter in Uferlandschaft

Auktion 390, Kat.-Nr. 566

Schätzpreis € 1.200 bis € 1.500
noch erhältlich

Johannes Lingelbach - Flusslandschaft mit rastenden Bauern, im Hintergrund Fort Saint-Jean und das Château de Pierre-Scize, Lyon

Auktion 390, Kat.-Nr. 570

Schätzpreis € 50.000 bis € 70.000
noch erhältlich

Jan Miense Molenaer - Fröhliche Gesellschaft beim "Handjeklap"-Spiel

Auktion 390, Kat.-Nr. 572

Schätzpreis € 10.000 bis € 15.000
noch erhältlich

Egbert van Heemskerck d. J. - Wirtshausszene

Auktion 390, Kat.-Nr. 573

Schätzpreis € 8.000 bis € 12.000
noch erhältlich

Jan Miense Molenaer - Mädchen mit Flöte

Auktion 390, Kat.-Nr. 575

Schätzpreis € 1.500 bis € 2.000
noch erhältlich

Italien - Ein Philosoph

Auktion 390, Kat.-Nr. 576

Schätzpreis € 2.000 bis € 2.500
noch erhältlich

Niederlande - Vertumnus und Pomona

Auktion 390, Kat.-Nr. 579

Schätzpreis € 4.000 bis € 4.500
noch erhältlich

Johann Heiss - Allegorie des Frühlings

Auktion 390, Kat.-Nr. 580

Schätzpreis € 5.000 bis € 7.000
noch erhältlich

Abraham Janssens - Allegorie des Geruchssinns

Auktion 390, Kat.-Nr. 582

Schätzpreis € 1.800 bis € 2.000
noch erhältlich

Niederlande (Utrecht?) - Allegorie der Vergänglichkeit

Auktion 390, Kat.-Nr. 583

Schätzpreis € 5.000 bis € 6.000
noch erhältlich

Deutsch (Nürnberg?) - Bildnis eines Mädchens mit Nelke

Auktion 390, Kat.-Nr. 584

Schätzpreis € 2.000 bis € 3.000
noch erhältlich

Deutsch - Bildnisse eines Herrn und einer Dame

Auktion 390, Kat.-Nr. 585

Schätzpreis € 4.000 bis € 5.000
noch erhältlich

Unbekannt - Bildnis eines Geistlichen im Alter von 62 Jahren

Auktion 390, Kat.-Nr. 586

Schätzpreis € 3.000 bis € 4.000
noch erhältlich

Gillis Gillisz. de Bergh - Vanitasstillleben mit Muscheln

Auktion 390, Kat.-Nr. 589

Schätzpreis € 40.000 bis € 60.000
noch erhältlich

Nicolaes van Gelder - Früchtestillleben mit Glaspokal

Auktion 390, Kat.-Nr. 590

Schätzpreis € 4.000 bis € 6.000
noch erhältlich

Italien - Stillleben mit Früchten, Blumen, Brotlaib und Rettich

Auktion 390, Kat.-Nr. 591

Schätzpreis € 2.500 bis € 3.000
noch erhältlich

Ottmar Elliger - Der Tod der Sophonisbe

Auktion 390, Kat.-Nr. 592

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

Josef Ignaz Mildorfer - Apollo und Melpomene

Auktion 390, Kat.-Nr. 593

Schätzpreis € 12.000 bis € 15.000
noch erhältlich

Süddeutsch - Maria Immaculata mit Engeln

Auktion 390, Kat.-Nr. 594

Schätzpreis € 1.200 bis € 1.400
noch erhältlich

Süddeutsch oder österreichisch - Enthauptung eines Heiligen (Hl. Paulus?)

Auktion 390, Kat.-Nr. 595

Schätzpreis € 4.000 bis € 5.000
noch erhältlich

Niederlande - Hirte mit Tieren am Brunnen

Auktion 390, Kat.-Nr. 597

Schätzpreis € 1.200 bis € 1.500
noch erhältlich

August Querfurth - Reitergruppen

Auktion 390, Kat.-Nr. 599

Schätzpreis € 3.000 bis € 3.500
noch erhältlich

Francesco Guardi - Architekturcapriccio

Auktion 390, Kat.-Nr. 601

Schätzpreis € 2.000 bis € 2.500
noch erhältlich

Unbekannt - Uferlandschaft mit antiken Ruinen und Figurenstaffage

Auktion 390, Kat.-Nr. 602

Schätzpreis € 3.000 bis € 4.000
noch erhältlich

Claude-Joseph Vernet - Hafenszenen

Auktion 390, Kat.-Nr. 603

Schätzpreis € 2.500 bis € 3.500
noch erhältlich

Italien - Winterlandschaft

Auktion 390, Kat.-Nr. 604

Schätzpreis € 1.500 bis € 2.000
noch erhältlich

Unbekannt - Bildnis einer Fürstin als Hl. Katharina

Auktion 390, Kat.-Nr. 607

Schätzpreis € 1.200 bis € 1.400
noch erhältlich

Johann Heinrich Tischbein d. Ä. - Christiane Fürstin zu Waldeck und Pyrmont

Auktion 390, Kat.-Nr. 609

Schätzpreis € 8.000 bis € 12.000
noch erhältlich

England (Daniel Gardner, 1750 Kendal - 1805 London, Umkreis ?) - Damenbildnis

Auktion 390, Kat.-Nr. 612

Schätzpreis € 500 bis € 600
noch erhältlich

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DAS KÖNNTE AUCH INTERESSANT SEIN:
HIGHLIGHTS - GEMÄLDE (15. - 18. JH.) (Dezember 2020)
RENAISSANCE

ERGEBNIS 152.400 EUR (inkl. 27 % Käuferaufgeld) LUCAS CRANACH d.Ä. UND WERKSTATT (1472 Kronach - 1553 Weimar)

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PAAR SHIPPING IN DER RENAISSANCE

Attraktiv und arm sucht weißhaarig und wohlhabend.

Was sagt uns das Bild von Lucas Cranach d. Ä.? Antworten gibt Dr. Rainer SchusterNEUMEISTER-Experte für Gemälde bis angehendes 20. Jahrhundert, Miniaturen, Graphik und Bücher.

Was ist auf dem Gemälde zu sehen?

Auf einer verhältnismäßig kleinen Tafel hat Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553) ein grotesk anmutendes Paar dargestellt: Ein alter, offensichtlich wohlhabender Mann, der einer jungen Schönheit, die liebevoll ihren Arm auf seine linke Schulter gelegt hat, einen Ring ansteckt.

Ist dieses Bildthema im 16. Jahrhundert populär?

Ja. Die Darstellung des „ungleichen Paares“ war seinerzeit allgemein beliebt und fand vor allem über Druckgraphiken Verbreitung. Absicht dieser Darstellungen war moralische Belehrung einerseits und das Aufzeigen der Vergänglichkeit des Lebens andererseits. Das Bildthema lässt sich übrigens bis in die Antike zurückverfolgen. Nördlich der Alpen war wohl Jacopo de’ Barbari, Cranachs Vorgänger im Amt des Hofmalers zu Weimar, der Erste, der es darstellte. Sein „Urbild“ fand vor allem in den Niederlanden Künstler, die sich von ihm inspirieren ließen, so z. B. Quentin Massys. Über Massys führt der Weg zum Verständnis des „ungleichen Paares“ zu dessen Freund, dem bedeutenden Gelehrten und Humanisten Erasmus von Rotterdam: Dieser macht sich in seiner berühmten Satire „Lob der Torheit“ (1509) über jene älteren, zahnlosen, weißhaarigen Männer lustig, die jungen, mitgiftlosen jungen Frauen einen Heiratsantrag machen. 

Aber so ärmlich sieht die junge Dame auf unserem Gemälde doch gar nicht aus?

So ganz ohne Mitgift scheint die wirklich nicht zu sein. Immerhin ist sie nach der neuesten Mode gekleidet und das sorgfältig frisierte Haar umfängt ein perlenbesticktes Netz. Dennoch: Der moralisierende Charakter der Darstellung ist nicht zu übersehen, denn der Blick der jungen Dame trifft sich nicht mit jenem des lustvoll-traurigen Alten. Etwas verklärt, sibyllinisch lächelnd, blickt sie knapp an ihm vorbei in eine Zukunft, die ihr nach dem Ableben des viel zu alten Ehegatten beschieden sein mag.

Welche Bedeutung hat das Bildthema des ungleichen Paares im Werk von Cranach?

In der Cranach-Werkstatt manifestierte es sich das ungleiche Paar zu einem immer wiederkehrenden Thema, offenbar begründet durch den großen Erfolg bei Sammlern. Rund 40 Versionen des Bildthemas sind bekannt. Diese entstanden ab 1522. Sehr eng verwandt ist unserem Gemälde übrigens eine Version aus dem Besitz des Kunsthistorischen Museums in Wien. Sie wird um 1530/40 datiert und ähnelt unserem Bild auch im Format.

Irgendwie kommt einem die Frau auf dem Gemälde bekannt vor.

Ja, das ist wirklich bemerkenswert. Der wiedergegebene Frauentypus findet sich tatsächlich auf Gemälden mit völlig anderer Thematik wieder. Beispiele dafür sind „Venus und Amor, der Honig stiehlt“ im Statens Museum in Kopenhagen oder die „Salome“ im Wadsworth Atheneum in Hartford/Connecticut. Diese Bilder gehen offensichtlich auf dasselbe Modell zurück, was möglicherweise auf ein damaliges Schönheitsideal zurückzuführen ist und eine besondere Facette des „ungleichen Paares“ ins Licht rückt: 

Das junge Modell spielte eine Universalrolle, mal als junge Braut, als als biblische Salome, mal als Göttin der Liebe, Schönheit und ewiger Jugend.

Der moralischen Intention Lucas Cranachs – und seiner Auftraggeber – mit diesem Bildthema die verborgene Motivation von Beziehungen mit deutlichem Altersunterschied aufzudecken und anzuprangern, gibt diese Koinzidenz eine weitere, ausgesprochen subtile Note.

BATTISTA DOSSI (um 1500 - 1548 Ferrara)

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DIE FLUCHT NACH ÄGYPTEN

Battista Dossi (1500–1548) war der jüngere Bruder Dosso Dossis. Die Brüder verbrachten den größten Teil ihres Lebens als Maler in Diensten der Herzöge Alfonso I. d’Este und Ercole II. d’Este am Hof in Ferrara. Aber auch außerhalb Ferraras nahmen die beiden Dossi Aufträge wahr: Um 1530 hielten sie sich zum Beispiel in der bei Pesaro gelegenen Villa Imperiale auf, wo sie sich einer Gruppe von mittelitalienischen Malern anschlossen, die für die Herzogin Eleonora von Urbino arbeiteten. 1531/32 waren sie für den Kardinal und Bischof Bernardo Clesio im Castello del Buonconsiglio in Trient tätig, wo ihre Fresken bis heute erhalten sind. Lange Zeit stand Battista für die Forschung im Schatten des älteren Bruders Dosso. Als Künstler wird Battista erstmals 1516 erwähnt, als er Masken für ein höfisches Fest bemalte. 1520 ist er in Rom in der Werkstatt Raffaels nachweisbar. Und in den folgenden 20 Jahren war er vorwiegend als Assistent seines älteren Bruders tätig.

Welcher der beiden Brüder die „Flucht nach Ägypten“, die in drei Fassungen bekannt ist, gemalt hat oder ob diese als eine Gemeinschaftsarbeit gesehen werden kann, ist umstritten. Für die Autorschaft Battista Dossis spricht die spezielle, zu Battistas Markenzeichen gewordene Gestaltung der Landschaft im Hintergrund. Anderseits (und sehr ungewöhnlich) reiten sowohl Maria als auch Josef auf Eseln, wobei Josef eine Wiege mit Jesus sorgfältig festhält – eine ikonographische Besonderheit der Komposition, die der bekannten künstlerischen Kreativität Dossos geschuldet sein könnte. Von wem sie auch immer stammt: Die „Flucht nach Ägypten“ könnte zur Sammlung des Kardinals Joseph Fesch (1763–1839) gehört haben. Dieser war der Halbbruder von Letizia Ramolino Bonaparte (1750–1836), der Mutter Napoléon Bonapartes. Seine große Kunstsammlung umfasste bei seinem Tod rund 16.000 Arbeiten, was sie zur wahrscheinlich größten Privatsammlung ihrer Zeit machte.

ERGEBNIS 40.640 EUR (inkl. 27 % Käuferaufgeld) ANDREA DEL SARTO (Andrea d´Agnolo [di Francesco]) (1486 Florenz - 1530 ebenda, Nachfolge)

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HEAVENLY CREATURES

Die sitzende Muttergottes hält mit der rechten Hand behutsam das Christuskind auf ihrem Schoß. Während dieses seinen Blick auf zwei der assistierenden Engel richtet, wendet sich Maria dem Johannesknaben zu, der links von ihr steht und liebevoll Schulter und Oberarm Mariens berührt. Hinterfangen wird die Szene von einem Baldachin, der kunstvoll an zwei Astgabeln befestigt ist. Die vorliegende Komposition war im 16. Jahrhundert sehr populär. Sie geht auf ein – offenbar verschollenes – Vorbild Andrea del Sartos (1486–1530) zurück, die sogenannte Madonna Corsini. Nach Giorgio Vasari schuf Sarto diese für Alessandro Corsini, das Aussehen des Originals ist durch eine Kopie überliefert, die sich lange in der Capella Corsini in San Gaggio bei Florenz befand. Zahlreiche Kopien, aber auch variierende Versionen lassen sich bis heute nachweisen.
Auch bei unserem Gemälde handelt es sich – bei allen kompositionellen und detailbezogenen Übereinstimmungen – nicht um eine starre Kopie, sondern um eine variierende Weiterentwicklung eines noch unbekannten Meisters. Dieser wandelt die Darstellung vor allem am unteren Rand deutlich ab. Auffallend an dieser Variante ist das beigegebene Notenblatt in der rechten unteren Ecke. An dieser Stelle befand sich auf dem verschollenen Original offenbar ein Blatt mit der Signatur des Künstlers. Besonders interessant ist die Beifügung von Johanniskrautblüten annähernd in der Mitte des unteren Randes. Das Johanniskraut – im Volksmund auch als „Herrgottsblut“ bezeichnet – blüht in der Zeit des Johannestages (24. Juni) und steht damit traditionell in ikonographischer Verbindung mit Johannes dem Täufer.

ERGEBNIS 22.860 EUR (inkl. 27 % Käuferaufgeld) ALBRECHT DÜRER (1471 Nürnberg - 1528 ebenda), Nachfolge

TOTENKLAGE

Der vom Kreuz genommene Christus wird von Johannes gehalten, Maria und Joseph von Arimathia beugen sich beklagend über den Toten. Nikodemus und Maria Magdalena stehend: Beim vorliegenden Gemälde handelt es sich um eine variierende Kopie nach Albrecht Dürers Epitaph der Nürnberger Familie Holzschuher. Das Original

der Holzschuher-Beweinung befindet sich heute im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg. Bis 1566 hing es in der Holzschuherkapelle bei St. Johannis und wurde danach nach St. Sebald verbracht. 1620 wurde es von Martin Peller erworben und in der Pellerschen Sammlung als Werk Dürers hoch geschätzt. Über die Sammlung Boisserée (1816) gelangte es 1827 in die Sammlung König Ludwigs I. von Bayern. Heute ist es eine Leihgabe des Wittelsbacher Ausgleichsfonds / Bayerische Staatsgemäldesammlungen. Die Besitzergeschichte des Originals ist für das vorliegende Gemälde von großer Bedeutung: Im Rahmen seines Verkaufs an Martin Peller wurde eine Kopie angefertigt, von der man annimmt, dass es sich dabei um jene „Beweinung Christi“ handelt, die bis heute in Sankt Sebald hängt. Als ausführender Künstler wird in der Literatur Georg Gärtner d. J. diskutiert.

Eine Kopie ohne die Stifterfiguren der Familie Holzschuher war seit Längerem in Privatbesitz bekannt. Dabei handelt es sich um das vorliegende Werk. Unter Verzicht auf die Übernahme der Stifterfiguren hat der unbekannte Künstler sich deutlich am Gemälde in Sankt Sebald orientiert, eine Kopie nach dem Original kann als unwahrscheinlich gelten.

EPITAPHIEN

Epitaphien waren Gedächtnisbilder für Verstorbene und wurden von den Nachkommen zugleich für das eigene Seelenheil gestiftet. Das Thema der Totenklage drückt dabei den eigenen Schmerz der Hinterbliebenen aus.

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BAROCK

ERGEBNIS 209.550 EUR (incl. 27 % Käuferaufgeld) GÉRARD DE LAIRESSE (1640 Lüttich - 1711 Amsterdam)

ANBETUNG DER HIRTEN

Nach einem vielversprechenden Start seiner malerischen Karriere musste Gérard de Lairesse (1640–1711) seine Geburtsstadt Lüttich aufgrund einer Liebesaffäre verlassen und siedelte sich 1665 – nach Aufenthalten in Maastricht und Utrecht – schließlich in Amsterdam an. Bald eröffnete er dort eine eigene Werkstatt, mit der er schnell erfolgreich wurde – unter anderem war er für Willem III. von Oranien-Nassau und dessen Kreis tätig. 1689/90 erblindete Lairesse und seine künstlerische Tätigkeit fand ein jähes Ende. Er hielt nun Vorlesungen und verfasste Schriften zur Zeichenkunst und Malerei, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden und im 18. Jahrhundert eine breite Rezeption fanden. Das vorliegende Gemälde war ursprünglich Teil eines wohl sechsteiligen Zyklus mit Szenen aus der Kindheit Christi, die noch Ende des 18. Jahrhunderts in der Stiftskirche Notre-Dame in Huy, Belgien, aufgeführt werden. Diese Gemälde, darunter das vorliegende, wurden in der Auktion Old Master Paintings bei Sotheby’s, London, am 4. April 1984 noch zusammen angeboten.

LANDSCHAFTSMALEREI

ERGEBNIS 35.560 EUR (inkl. 27 % Käuferaufgeld) PIERRE ANTOINE PATEL (1648 Paris - 1708 ebenda)

JULI

Pierre-Antoine Patel (1648–1707) war der Sohn des aus der Picardie stammenden Künstlers Pierre Patel (1605–1676). Möglicherweise erfuhr er seine Ausbildung im Atelier des Vaters. 1677 erwirbt er den Titel des „maître peintre“, 1680 steigt er zum „maître peintre et peintre ordinaire du Roy“ auf. Wie sein Vater spezialisiert sich Patel auf Landschaftsdarstellungen mit griechisch-römischen Ruinen. Seine früheren Arbeiten zeichnen sich durch eine kalte Farbpalette und deutlich akzentuierte Lichtkontraste aus. Ab Mitte der 1670er Jahre beginnt der Künstler, sich vom Vorbild des Vaters zu lösen.

Als er 1699 den Auftrag für die zwölf Monatsdarstellungen erhält („Les mois de l’année“) ist Pierre-Antoine Patel auf seinem künstlerischen Höhepunkt angelangt: Seine Malerei greift die klassizistischen Kompositionen Claude Lorrains auf, nordischer Einfluss zeigt sich in den pittoresken Elementen kleiner Alltagsfiguren (Bauern bei der Arbeit) sowie in der Darstellung sowohl städtischer wie ländlicher Architekturelemente. Das Licht wird ausgesprochen feinsinnig behandelt, Hell- und Dunkelkontraste werden raffiniert und akzentuiert eingesetzt. Die Monatsserie Patels wird seit dem späten 18. Jahrhundert in der Literatur lobend aufgeführt.

Während der Französischen Revolution befand sich die Serie in der heutigen Kirche Saint- Paul-Saint-Louis, danach wurde sie in verschiedenen Besitz aufgeteilt. Weitere Gemälde aus der Monatsserie befinden sich heute unter anderem im Pariser Louvre, im Museum of Fine Arts in San Francisco sowie im Staatlichen Museum Schwerin.

Bei NEUMEISTER zur Versteigerung kommt der Monat Juli. Das Werk zeigt eine weite südliche Dorflandschaft, im Vordergrund sind Bauern bei der Arbeit, links hält eine antike Ruine die Stellung.

GOTTFRIED WALS (um 1600 Köln - 1638 o. 1640 Kalabrien)

REIN. GEMALT

 

Gottfried Wals (1600–1638 o. 1640) wurde in Köln geboren. Schon früh zog es ihn nach Italien. Zuerst reiste er nach Neapel, dann arbeitete er 1616 bis 1618 unter Agostino Tassi in Rom. Nach seiner Rückkehr nach Neapel von 1620 bis 1622 unterrichtete er Claude Lorrain. Später finden sich seine Spuren in Genua, Savona und schließlich wieder in Neapel. Während eines Erdbebens in Süditalien verliert der Künstler 1638 oder 1640 sein Leben.

Gottfried Wals gilt als einer der frühen, wichtigen und einflussreichen Meister der „reinen“ Landschaftsmalerei. Ihm lassen sich nur wenige Werke – insgesamt rund zwei Dutzend Arbeiten – zuschreiben, darunter die beiden angebotenen Gemälde, die sich durch raffinierte Lichteffekte auszeichnen. Datieren lassen sich die Gemälde in die frühen 1620er Jahre, also jene Zeit, in der Claude Lorrain Wals’ Schüler war.

JOHANNES LINGELBACH (1622 Frankfurt a. M. - 1674 Amsterdam)

STADT. LAND. FLUSS.

Johannes Lingelbach (1622–1674) verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in den Niederlanden. 1634 zog der gebürtige Frankfurter mit seiner Familie nach Amsterdam. Sein Zeitgenosse, der Kunstbiograph Arnold Houbraken, berichtet, dass er 1642 Frankreich bereiste und dort zwei Jahre weilte, bevor er nach Rom weiterzog. Die vorliegende Flusslandschaft galt lange als italienische Landschaft, bis sie 2008 durch Frits Duparc als Ansicht von Lyon mit dem im Norden liegenden Château de Pierre-Seize und der Festung Fort Saint-Jean identifiziert werden konnte. Dennoch lässt sich ein stark italianisierender Einfluss in der Behandlung des Lichtes und in der vorzüglichen Darstellung der Figuren feststellen, der an die römischen Bamboccianti erinnert, eine Stilrichtung in der römischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts. Es ist daher zu vermuten, dass Lingelbach das Gemälde unter Verwendung eines französischen Motivs dennoch erst 1650 nach seiner Rückkehr nach Amsterdam schuf.

ERGEBNIS EUR 7.620 (inkl. 27 % Käuferaufgeld) NICOLAES BERCHEM (1621/22 Haarlem - 1683 Amsterdam)

RUINE IM ABENDLICHT

Nicolaes Berchem (1621/22–1683) war ein vielseitiger holländischer Künstler. Anfangs beschäftigte er sich mit den Landschaften seiner Heimat, später mit italianisierenden Landschaften. Seine früheren Arbeiten – wie auch das vorliegende Gemälde – zeichnen sich durch einen goldblonden Ton aus, der sich vor allem in seinen späteren italienischen Landschaften deutlich farbig beleben sollte. 1651–1655 hielt der Künstler sich in Italien auf, wo er stimmungsvolle Idealvorstellungen der römischen Campagna zu malen begann. Noch deutlich vor seinem Italienaufenthalt entstand das vorliegende Gemälde, doch zeigen sich bereits jetzt die auch später immer wieder variierten Kompositionsprinzipien mit Fels- und Ruinendarstellungen, die mit Staffage belebt werden. Zahlreiche Kopien und Umsetzungen in die Druckgraphik belegen die ungeheure Beliebtheit der Gemälde Nicolaes Berchems.

JAN MIENSE MOLENAER (um 1610 Haarlem - 1668 ebenda)

LA MAIN CHAUDE

In einem Gastraum ist eine große, heitere Gesellschaft versammelt. Männer und Frauen vergnügen sich gleichermaßen bei Trank und Spiel. Im Vordergrund verbirgt eine junge Frau, vornübergebeugt, ihr Gesicht im Schoß einer sitzenden, den Betrachter einladend a nlächelnden Frau. Ihre rechte Hand hat sie – mit der Handfläche nach oben – auf ihren Rücken gelegt und erwartet den „Handjeklap“ eines kräftigen, nicht mehr nüchternen Mannes in grünem Wams. Beim „Handjeklap“ handelt es sich um ein einst in Westeuropa durchaus verbreitetes Gesellschaftsspiel. Es stellt eine Variante zu „Blindekuh“ dar und ist in England als „hot cockles“, in Frankreich als „la main chaude“ (oder auch, in der gröberen Variante, als „haute coquilles“), im deutschsprachigen Raum auch unter der eher plumpen Bezeichnung „Schinkenkloppen“ bekannt.

Wie der Begriff des „Schinkenkloppens“ bereits andeutet: Nicht immer begnügte man sich damit, einer Person, der man die Augen verbunden hatte oder die ihr Gesicht im Schoß einer weiteren Person verbirgt, einen Klaps oder Schlag auf die Handfläche zu verabreichen und diese dann den „Täter“ erraten zu lassen. Nicht selten – auch infolge übermäßigen Alkoholgenusses, und dieser ist bei unserem „Täter“ nicht zu übersehen – traf der Schlag auch das Gesäß. Ein derbes Gesellschaftsspiel, das aber über Jahrhunderte durch alle Gesellschaftsschichten geschlechtsübergreifend populär war.

Jan Miense Molenaer (1610–1668) zählt zu den populärsten Genremalern des niederländischen 17. Jahrhunderts. Er schloss sich stilistisch Dirck Hals an, zudem sind Einflüsse von Frans Hals und Judith Leysters festzustellen, die mit Molenaer verheiratet war. Seine Interieurs sind selten von großem Format und zeigen – quer durch die Gesellschaft – genreartig aufgefasste (Familien-)Gruppen sowohl bei ausgelassenem Feiern wie auch den Verrichtungen des Alltags.

GILLIS GILLISZ. DE BERGH (um 1600 Delft - 1669 ebenda)

STRENG. SCHLICHT. VERGÄNGLICH.

Gillis Gillisz. de Bergh (1600–1669) war vermutlich Schüler des Cornelis Jacobsz. Delff. In seiner austarierten, additiven Art der Komposition steht auch das vorliegende Vanitasstillleben Werken Delffs nahe, erinnert in seiner Strenge und Schlichtheit aber auch an Stillleben des Floris van Schooten. Nach anfänglich an Caravaggios dramatisches Hell-Dunkel erinnernder Licht- und Schattengebung gibt de Bergh diese jedoch zugunsten einer eher klassizistisch anmutenden, kühlen Beleuchtungssituation auf, die auch das angebotene Vanitasstillleben prägt. Besonders beeindruckend bei vorliegendem Gemälde ist das genaue Studium der Oberflächen der dargestellten Gegenstände, seien es die glänzend-glatten oder eher scharf-rauhen Schalen der Muscheln, der wertvolle, edel schimmernde goldene Akeleipokal oder das zart-zerbrechliche venezianische Glas. In seiner künstlerischen Gestaltung nimmt de Bergh hierin die Werke seines um eine Generation jüngeren flämischen Kollegen Jan van Kessel in höchster Qualität und Eindrücklichkeit voraus. Gut zu wissen: Die Anzahl der heute noch nachweisbaren Gemälde Gillis Gillisz. de Berghs ist klein, datierte Gemälde von seiner Hand sind selten.

OTTMAR ELLIGER (1666 Hamburg - 1735 St. Petersburg)

VERGIFTETE LIEBE

Sophonisbe war die Tochter des karthagischen Feldherrn Hasdrubal. Früh wurde sie mit Masinissa verlobt, dann aber 205 v. Chr., also gegen Ende des Zweiten Punischen Krieges, im Sinne der Heiratspolitik ihres Vaters mit dem westnumidischen König Syphax verheiratet, der sich sodann mit Karthago gegen Rom verbündete. Nach der Niederlage ihres Mannes im Kampf gegen die Römer fiel Sophonisbe in die Hände der Feinde und ihres ehemaligen Verlobten Masinissa, der Sophonisbe heiratete, um sie dem Zorn der Römer zu entziehen. Doch die Eheschließung missfiel den Römern – und insbesondere Scipio Africanus – dermaßen, dass sie Masinissa nötigten, seiner Frau den Giftbecher zu übersenden. Und genau den Moment, in dem ein Diener der Königin den Becher überreicht, hält Ottmar Elliger d. J. (1666–1735) fest. Sophonisbe wird das Gift später mit größter Würde hinunterschlucken und sich damit zum Sinnbild des Triumphes der Liebe über den Tod überhöhen.

Was für ein Stoff! Kein Wunder, dass die Geschichte Sophonisbes über die Jahrhunderte immer wieder literarisch aufgegriffen wurde, von Boccaccio und Petrarca, Voltaire und Corneille. Vor allem im 18. Jahrhundert bildete Sophonisbes Liebessieg dann das Sujet mehrerer Opern. Ottmar Elliger d. J. war Sohn und Schüler seines gleichnamigen Vaters (1633–1679), eines bedeutenden Stilllebenmalers. Nach dessen Tod siedelte er nach Amsterdam über, wo er ab 1686 unter Gérard de Lairesse an umfangreichen Projekten zur malerischen Dekoration herrschaftlicher Häuser mitarbeitete. Ottmar Elliger d. J. beschäftigte sich überwiegend mit historischen Themen, sein Stil lässt den klassizistischen Einfluss Lairesses erkennen. Dennoch unterscheidet er sich von dessen Arbeiten durch eine deutlich kapriziösere, „barockere“ Art der Darstellung. Übrigens: Eine hinsichtlich der Pinselführung und Umsetzung von Details deutlich gröbere Replik des Gemäldes von der Hand Elligers befindet sich im Bestand der Hamburger Kunsthalle.

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